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Kommentar - German Escher, Chefredaktor

Übers Ziel hinaus 

Die Schweiz, das Wallis – ein Land, wo Milch und Honig im Überfluss fliessen. Das zumindest könnte man meinen, wenn man den Abstimmungskampf verfolgt.
Die Realität ist eine andere: Der Tourismus erlebt trotz besten Schneeverhältnissen eine harte Saison. Selbst grosse Bergbahnen wie jene in Saas-Fee (siehe Interview auf Seite 22 / 23) müssen gewaltige Umsatzeinbussen hinnehmen. Die Lonza steht ebenfalls im steifen Gegenwind. Und der Detailhandel bekommt allmählich die sich verschlechternde Konsumstimmung zu spüren. Einzig die Bauwirtschaft scheint derzeit noch gut ausgelastet. Und ausgerechnet diese Bauwirtschaft soll mit der Initiative gegen den «uferlosen Zweitwohnungsbau» (siehe Artikel S. 4 / 5) geschwächt werden. Während Schuldenkrise, Euro-Debakel und Rezessionsängste den Unternehmern die Sorgenfalten ins Gesicht treiben, sollen diese nun noch den Mitarbeitenden sechs Ferienwochen garantieren. Wie diese Rechnung aufgehen soll, bleibt mir zumindest schleierhaft.
Über beide Vorlagen hat das Schweizer Stimmvolk unter anderem am 11. März zu entscheiden. Beide Ini­tiativen verfolgen berechtigte Anliegen, schiessen aber übers Ziel hinaus.
Zur Ferieninitiative: Der Druck am Arbeitsplatz wächst. Die gesetzlich verankerten vier Ferienwochen sind in der Tat zu wenig. Das haben die meisten Betriebe erkannt und gewähren heute ihren Mitarbeitenden fünf Wochen Ferien. Wenn schon eine sechste Ferienwoche, dann sind die verschiedenen bezahlten Feiertage wie in Italien zu streichen.
Zur Zweitwohnungsinitiative: Die Landschaft ist das Kapital des Tourismus. Das trifft zu. Aber ebenso richtig ist die Tatsache, dass eine flächendeckende Plafonierung des Zweitwohnungsanteils auf zwanzig Prozent die Wirtschaft im Berggebiet bedroht, die Abwanderung verschärft und das Problem nur verlagert. Deshalb sind regionale Massnahmen, wie sie in vielen Oberwalliser Gemeinden bereits getroffen wurden, der richtige Weg. Wir leben in einem föderalistischen Staat, wo die Autonomie von Kantonen und Gemeinden noch etwas zählt. Den Berglern käme auch nicht in den Sinn, eine Initiative gegen die Verstädterung und den Einfamilienhäuschenwahn im Mittelland zu lancieren.

 
 

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